Fürs Studio · Alltag
Buchungsplattformen für Studios: Provision, Abo und was du wirklich zahlst
Kurz gesagt
Buchungsplattformen für Kosmetik-, Nagel- und Lash-Studios rechnen meist nach einem von drei Modellen ab: Monatsabo, Provision auf jede Buchung oder Provision auf Neukundinnen, die über den Marktplatz kommen. Dazu kommen oft Gebühren für Kartenzahlungen, SMS und weitere Mitarbeiterinnen. Was du wirklich zahlst, siehst du erst, wenn du alle Posten mit deinen eigenen Monatszahlen addierst. Achte dabei auf netto oder brutto: Als Kleinunternehmerin zahlst du die Umsatzsteuer auf Plattformgebühren mit, ohne sie zurückzubekommen.
Welche Preismodelle gibt es?
Fast jede Buchungsplattform kombiniert einige wenige Bausteine. Wenn du die Bausteine kennst, kannst du jedes Angebot zerlegen und vergleichen.
| Baustein | So funktioniert es | Kosten hängen ab von |
|---|---|---|
| Monatsabo | Fester Betrag pro Monat, oft je Mitarbeiterin oder Kalender gestaffelt | Größe deines Teams |
| Provision je Buchung | Prozentsatz vom Preis jeder Online-Buchung | Zahl und Wert deiner Buchungen |
| Neukundinnen-Provision | Prozentsatz nur auf Buchungen von Neukundinnen, die über den Marktplatz der Plattform kommen | Zahl der vermittelten Neukundinnen |
| Zahlungsgebühr | Prozentsatz plus Festbetrag je Kartenzahlung | Zahl und Höhe der Kartenzahlungen |
| Zusatzkosten | z. B. SMS-Pakete, Kartenterminal, Einrichtung, Zusatzfunktionen | deiner Nutzung |
Viele Anbieter mischen diese Bausteine: ein kleines Abo plus Neukundinnen-Provision plus Zahlungsgebühr. Ein niedriger Abopreis allein sagt deshalb wenig über die Gesamtkosten.
Provision: Je Buchung oder nur für Neukundinnen?
Provision je Buchung
Hier zahlst du einen Anteil an jeder Buchung, die über die Plattform läuft. Das Modell ist einfach. Es wird aber teurer, je voller dein Kalender ist und je höher deine Preise sind. Bei Stammkundinnen, die ohnehin wiederkommen, zahlst du trotzdem bei jedem Termin mit.
Neukundinnen-Provision über den Marktplatz
Hier zahlst du nur, wenn eine Kundin dich über das Suchportal der Plattform findet und zum ersten Mal bucht. Folgebuchungen sind je nach Anbieter provisionsfrei oder günstiger. Für Gründerinnen klingt das fair: Du zahlst für Sichtbarkeit, die du sonst nicht hättest.
Entscheidend sind die Bedingungen im Detail. Kläre vor Vertragsschluss:
- Wann gilt eine Kundin als neu? Zählt nur die allererste Buchung oder jede Buchung über den Marktplatz?
- Welcher Buchungsweg ist frei? Buchungen über deinen eigenen Studio-Link (Instagram, Website, Google) sind bei manchen Anbietern provisionsfrei, bei anderen nicht.
- Worauf wird die Provision berechnet? Nur auf die gebuchte Leistung oder auch auf Zusatzleistungen, die vor Ort dazukommen?
- Gibt es eine Mindest- oder Höchstgebühr je Buchung?
- Was passiert bei Absage oder Nichterscheinen? Fällt die Provision trotzdem an?
- Ist die Provision netto angegeben? Dann kommen 19 % Umsatzsteuer dazu.
Die Antworten stehen in der Preisübersicht, den FAQ oder den Partner-AGB des Anbieters. Fehlen sie dort, frag schriftlich nach.
Monatsabo: Planbar, aber auf Staffelung achten
Beim Monatsabo zahlst du einen festen Betrag, egal wie viele Termine gebucht werden. Das macht die Kosten planbar. Bei wenigen Buchungen ist ein Abo pro Termin teurer, bei vielen Buchungen günstiger als eine Provision.
Prüf beim Abo vor allem diese Punkte:
- Staffelung: Kostet jede weitere Mitarbeiterin oder jeder weitere Kalender extra?
- Funktionsumfang: Sind Erinnerungen, Online-Zahlung oder Statistik enthalten oder nur in einem teureren Paket?
- Laufzeit und Kündigung: Monatlich oder jährlich? Wie lang ist die Kündigungsfrist?
- Jahrespreis: Viele Anbieter geben bei jährlicher Zahlung einen Rabatt. Rechne nach, ob du die Bindung willst.
Zum Vergleich ein Beispiel aus dem Markt: BeautyNear Pro kostet 40 € im Monat inklusive einer Mitarbeiterin, jede weitere kostet 20 €. Auf Buchungen fällt keine Provision an. Wer online mit Karte zahlt, zahlt über Stripe; die Stripe-Gebühr trägt das Studio. BeautyNear nutzt die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG, auf den Abopreis kommt deshalb keine Umsatzsteuer.
Zahlungsgebühren: Die Kosten jeder Kartenzahlung
Sobald Kundinnen online oder vor Ort mit Karte zahlen, verdient ein Zahlungsdienstleister mit. Diese Gebühr fällt unabhängig vom Preismodell der Plattform an. Sie wird oft übersehen, weil sie nicht in der Preisübersicht der Buchungsplattform steht, sondern beim Zahlungsdienstleister.
Ein Beispiel ist Stripe. Laut Preisseite von Stripe Deutschland (Standardtarif, abgerufen am 17.10.2026) kostet eine Kartenzahlung:
| Kartenart | Gebühr je Zahlung |
|---|---|
| Standardkarte aus dem EWR | 1,5 % + 0,25 € |
| Premiumkarte aus dem EWR | 2,8 % + 0,25 € |
| Karte aus dem Vereinigten Königreich | 2,5 % + 0,25 € |
| Ausländische Karte | 3,15 % + 0,25 € (plus 2 % bei Währungsumrechnung) |
Für eine Zahlung von 50 € mit einer Standardkarte aus dem EWR sind das 0,75 € + 0,25 € = 1,00 €. Mit einer Premiumkarte sind es 1,40 € + 0,25 € = 1,65 €. Ficht eine Kundin eine Zahlung an, berechnet Stripe laut Preisseite zusätzlich 20 € je Anfechtung.
Andere Anbieter haben eigene Tarife. Manche Buchungsplattformen berechnen auch eine eigene Gebühr auf Online-Vorauszahlungen. Frag nach, ob diese Gebühr zusätzlich zur Kartengebühr anfällt oder sie schon enthält.
Zusatzkosten, die oft übersehen werden
Neben Abo, Provision und Zahlungsgebühr können weitere Posten anfallen. Geh die Preisliste des Anbieters mit dieser Checkliste durch:
- SMS: Erinnerungen oder Bestätigungen per SMS sind oft nur bis zu einem Kontingent enthalten. Danach kostet jede Nachricht extra.
- Marketing-Nachrichten: Rundmails oder Werbe-SMS an Kundinnen werden manchmal gesondert berechnet.
- Hardware: Ein Kartenterminal für Zahlungen vor Ort kostet in der Regel einmalig oder monatlich.
- Kasse: Für eine Kassenfunktion können Zusatzgebühren anfallen, etwa für die technische Sicherheitseinrichtung (TSE).
- Einrichtung und Umzug: Manche Anbieter berechnen eine Einrichtungsgebühr oder den Import deiner Kundinnendaten.
- Auszahlung: Kläre, wann und wie oft Geld aus Online-Zahlungen auf deinem Konto landet.
Kein Posten ist an sich schlecht. Er muss nur in deine Rechnung.
So vergleichst du Anbieter mit deinen eigenen Zahlen
Ein fairer Vergleich braucht deine echten Monatszahlen. Hol sie aus deinem Kalender oder Kassenbuch der letzten drei Monate.
- Termine pro Monat: Wie viele Termine hast du im Schnitt?
- Durchschnittspreis: Was bringt ein Termin im Mittel?
- Online-Anteil: Wie viele Termine würden online gebucht?
- Neukundinnen pro Monat: Wie viele kämen voraussichtlich über einen Marktplatz?
- Kartenanteil: Wie viele Kundinnen zahlen mit Karte?
- Team: Wie viele Mitarbeiterinnen brauchen einen Kalender?
Dann rechnest du je Anbieter: Fixkosten pro Monat + Provisionen + Zahlungsgebühren + Zusatzkosten. Rechne alle Beträge so, wie sie dein Konto belasten. Bist du Kleinunternehmerin, rechnest du Nettopreise auf brutto um, denn du ziehst keine Vorsteuer ab. Mehr dazu im Ratgeber zur Kleinunternehmerregelung.
Beispielrechnung (erfundene Zahlen)
Ein Studio hat im Beispiel 80 Termine im Monat zu durchschnittlich 50 €. Alle werden online gebucht. 6 Termine im Monat kommen von Neukundinnen über einen Marktplatz. Alle Prozentsätze unten sind ausgedacht und stehen für kein bestimmtes Angebot.
| Modell (Beispiel) | Rechnung | Kosten pro Monat |
|---|---|---|
| A: Abo 40 €, keine Provision | 40 € | 40 € |
| B: Provision 5 % auf jede Buchung | 80 × 50 € × 5 % | 200 € |
| C: Abo 30 € netto + 30 % netto auf erste Neukundinnen-Buchung | (30 € + 6 × 50 € × 30 %) × 1,19 | 142,80 € |
Bei Modell C sind die Nettopreise für eine Kleinunternehmerin auf brutto umgerechnet. Bei den Modellen A und B nimmt das Beispiel an, dass keine Umsatzsteuer dazukommt.
Kartengebühren kommen in jedem Modell dazu, wenn Kundinnen mit Karte zahlen. Zahlen im Beispiel 40 Kundinnen mit Standard-EWR-Karte, sind das bei Stripe 40 × 1,00 € = 40 €.
Die Rechnung kippt, sobald sich deine Zahlen ändern. Mit wenigen Terminen und vielen Neukundinnen kann ein anderes Modell vorn liegen als mit vollem Kalender aus Stammkundinnen. Spiel deine eigenen Zahlen im Provisionsvergleich durch.
Worauf es neben dem Preis ankommt
Der günstigste Anbieter ist nicht automatisch der richtige. Wäge die Kosten gegen den Nutzen ab:
- Sichtbarkeit: Bringt dir der Marktplatz wirklich Neukundinnen in deiner Stadt? Frag andere Studios in deiner Nähe nach ihren Erfahrungen.
- Deine Kundinnen-Beziehung: Bleiben Kontaktdaten und Buchungshistorie bei dir, wenn du kündigst? Kannst du sie exportieren?
- Datenschutz: Die Plattform verarbeitet Daten deiner Kundinnen in deinem Auftrag. Dafür brauchst du in der Regel einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
- Bedienung: Teste vor dem Abschluss die Buchung selbst, am besten auf dem Handy.
Die Plattformkosten gehören in deine Preiskalkulation wie Miete und Material. Wie du sie einrechnest, steht unter Preise kalkulieren.
Häufige Fragen
Was ist günstiger: Provision oder Monatsabo?
Das hängt von deinen Zahlen ab. Bei wenigen Buchungen kann eine Provision günstiger sein, bei vielen Buchungen und hohen Preisen meist ein festes Abo. Rechne beide Modelle mit deinen Terminen, Durchschnittspreisen und dem Anteil an Neukundinnen durch.
Was bedeutet Neukundinnen-Provision?
Du zahlst eine Provision, wenn eine Kundin dich über den Marktplatz der Plattform findet und zum ersten Mal bucht. Wann eine Kundin als neu gilt und welche Buchungswege provisionsfrei sind, legt jeder Anbieter selbst fest. Lies dazu die Preisübersicht und die Partner-AGB.
Wer zahlt die Gebühr bei Kartenzahlung?
In der Regel das Studio, denn es erhält die Zahlung. Die Gebühr zieht der Zahlungsdienstleister meist direkt vom ausgezahlten Betrag ab. Bei Stripe liegt sie laut Preisseite für eine Standardkarte aus dem EWR bei 1,5 % + 0,25 € je Zahlung (Stand 17.10.2026).
Muss ich als Kleinunternehmerin mit Netto- oder Bruttopreisen rechnen?
Mit Bruttopreisen. Als Kleinunternehmerin ziehst du keine Vorsteuer ab, die Umsatzsteuer auf Plattformgebühren ist für dich also echter Aufwand. Steht bei einem Anbieter „zzgl. MwSt.“, rechnest du 19 % auf den Preis auf.
Kann ich mehrere Buchungsplattformen gleichzeitig nutzen?
Technisch ja, aber dann musst du mehrere Kalender abgleichen. Sonst drohen Doppelbuchungen. Prüf, ob die Anbieter Kalender synchronisieren können, und rechne die Kosten aller Plattformen zusammen.
Quellen
- Preise und Gebühren
- Was ist die sogenannte Kleinunternehmerregelung?
- § 19 UStG – Besteuerung der Kleinunternehmer
- § 6 UWG – Vergleichende Werbung
- BeautyNear Pro – Abo
Stand: Oktober 2026 · zuletzt geprüft am 17.10.2026 · BeautyNear Redaktion. Fehler gefunden? Schreib uns an info@beautynear.de.